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Luzern, zum Merkenorte, wege, abende

Notiert von Severin Imfeld

Online-Dating in der Zentralschweiz

Ich habe lange gezögert, diese Seite zu schreiben. Online-Dating ist ein Thema, bei dem jeder eine Meinung hat und kaum jemand zugibt, dass er es selbst benutzt. In Luzern ist das nicht anders. Man kennt sich, und die Vorstellung, dass die Kollegin vom Nachtdienst mein Profil sieht, hat mich am Anfang mehr beschäftigt als die Frage, wen ich eigentlich kennenlernen wollte.

Ein knappes Jahr nach der Trennung habe ich es trotzdem versucht. Hier steht, was ich dabei gelernt habe. Es ist keine Bewertung und keine Empfehlung, eher ein Erfahrungsbericht von jemandem, der weder besonders gut noch besonders schlecht darin ist.

Die Besonderheit der Region

Die Zentralschweiz ist für Online-Dating ein spezielles Pflaster. Luzern ist eine Stadt, aber eine kleine, und schon nach wenigen Kilometern ist man auf dem Land. Wer den Suchradius eng einstellt, sieht nach ein paar Tagen immer die gleichen Gesichter. Wer ihn weit einstellt, landet bei Leuten in Zug, Schwyz oder im Entlebuch, und dann wird ein Treffen schnell zu einer kleinen Reise.

Dazu kommt das, was ich den Dorfeffekt nenne. Man sieht Leute, die man kennt. Die Schwester eines Schulfreunds, die Coiffeuse, einen ehemaligen Mitbewohner. Am Anfang war mir das peinlich. Später habe ich gemerkt, dass es allen so geht und dass die meisten einfach höflich weiterwischen.

Tinder und Bumble

Mit Tinder habe ich angefangen, weil es alle kennen. In Luzern ist dort viel los, besonders im Sommer, wenn auch Studierende und Touristen in der Stadt sind. Das ist Vor- und Nachteil zugleich. Man hat viele Kontakte, aber manche sind nur für ein Wochenende in der Stadt, und das merkt man erst, wenn man nach einem Treffen fragt. Ich habe auf Tinder ein paar nette Gespräche geführt, zwei Treffen gehabt und einmal eine sehr lange Diskussion über die beste Badi am See, die leider nicht zu einem Treffen geführt hat.

Bumble funktioniert ähnlich, mit dem Unterschied, dass bei Paaren aus Mann und Frau die Frau zuerst schreiben muss. Für mich war das angenehm, weil ich ungern den ersten Satz schreibe. Die Auswahl war in Luzern kleiner als auf Tinder, die Gespräche aber im Schnitt etwas ruhiger. Ob das an der App lag oder am Zufall, kann ich nicht sagen.

eDarling und Academic Singles

Diese beiden Plattformen sind eine andere Welt. Man füllt am Anfang einen langen Fragebogen aus, bekommt dann Vorschläge, und das ganze ist stärker auf eine feste Beziehung ausgelegt. Für die volle Nutzung braucht man ein kostenpflichtiges Abonnement. Ich habe eDarling einige Monate ausprobiert, weil ein Kollege dort seine heutige Partnerin gefunden hat. Die Profile wirkten älter und ernsthafter, die Kontakte waren seltener, dafür ausführlicher. Wer mit dem Gedanken spielt, sollte sich Zeit nehmen und den Fragebogen ehrlich ausfüllen. Ich habe beim ersten Mal geschummelt, um sportlicher zu wirken, und bekam prompt Vorschläge von Leuten, die Marathon laufen.

Academic Singles richtet sich, wie der Name sagt, vor allem an Menschen mit Hochschulabschluss. Ich habe dort nur kurz hineingeschaut, weil ich mit meiner Ausbildung an einer höheren Fachschule nicht ganz in das Raster passe. Leute, die ich kenne und die dort waren, beschreiben es als ruhig und eher auf die grösseren Städte ausgerichtet.

Eine praktische Warnung

Etwas, das ich auf die harte Tour gelernt habe: Wer bei einer der kostenpflichtigen Plattformen ein Abonnement abschliesst, muss es separat kündigen. Das Profil zu löschen beendet den Vertrag nicht automatisch, und die Verlängerung kommt dann eben doch. Bei mir waren es ein paar Monate, die ich hätte sparen können, wenn ich die Bedingungen genauer gelesen hätte. Schauen Sie also gleich beim Abschluss nach, wie und bis wann man kündigen muss, und schreiben Sie es sich irgendwo auf.

Was ich anderen rate

Erstens: Nicht zu früh anfangen. Ich habe es nach der Trennung einmal zu früh versucht und war in jedem Gespräch eigentlich noch bei meiner Ex. Das ist niemandem gegenüber fair.

Zweitens: Sich schnell treffen. In meiner Erfahrung bringt wochenlanges Schreiben wenig. Ein Kaffee oder ein Spaziergang am Quai sagt nach zwanzig Minuten mehr als zweihundert Nachrichten. Ideen für ein erstes Treffen habe ich auf der Seite zu zweit in Luzern gesammelt.

Drittens: Den Rest des Lebens nicht vergessen. Apps sind ein Weg unter mehreren, und in einer Region wie der Zentralschweiz, wo vieles über Vereine und Bekannte läuft, nicht unbedingt der wichtigste. Wie ich sonst Menschen getroffen habe, steht auf der Seite über das Alleinsein in Luzern.

Und heute?

Ich habe die Apps inzwischen wieder gelöscht, nicht aus Frust, sondern weil ich gemerkt habe, dass ich gerade lieber am Wochenende schwimmen gehe als zu chatten. Vielleicht ändert sich das wieder. Ich sehe Online-Dating heute als ein Werkzeug, das manchmal passt und manchmal nicht. Wie ein Regenschirm: Man ist froh, dass man einen hat, aber man trägt ihn nicht jeden Tag mit sich herum.

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