Notiert von Severin Imfeld
Ich gehe viel zu Fuss. Nach einem Nachtdienst kann ich nicht sofort schlafen, nach einem Frühdienst bin ich zu wach, um mich hinzusetzen, und an freien Tagen brauche ich einen Grund, die Wohnung zu verlassen. Mit den Jahren sind daraus ein paar feste Runden geworden. Ich schreibe sie hier auf, damit ich sie selbst nicht verwechsle, und weil mich Besuch immer wieder fragt, wohin man in Luzern «einfach mal laufen» kann.
Die Zeiten in der Tabelle sind grob und eher grosszügig. Ich gehe gemütlich und bleib oft stehen. Wer zügig läuft, ist schneller, wer fotografiert, langsamer.
| Strecke | Dauer ungefähr | Start |
|---|---|---|
| Quai vom Schwanenplatz bis zum Lido | 45 Minuten | Schwanenplatz |
| Seeufer nach Tribschen und weiter Richtung Horw | 1 bis 1,5 Stunden | Bahnhof, Seeseite |
| Museggmauer und Türme | 1 Stunde | Löwenplatz |
| Gütsch, Gütschwald und Sonnenberg bis Kriens | 3 Stunden | Talstation Gütschbahn |
| Rund um den Dietschiberg | 2 Stunden | Wesemlin |
Das ist meine Standardrunde, die ich wahrscheinlich hundert Mal gegangen bin. Vom Schwanenplatz geht man am Schweizerhofquai und am Nationalquai entlang, vorbei an den Grandhotels, dem Kursaal und den grossen Kastanien. Danach wird es ruhiger, die Häuser werden kleiner, und irgendwann steht man beim Verkehrshaus und beim Strandbad Lido. Am Abend gehe ich gern bis ans Ende und schaue zurück auf die Stadt. Von dort sieht Luzern aus wie auf den alten Postkarten, nur mit mehr Velos.
Die Strecke ist flach und fast überall breit genug für Kinderwagen. An schönen Sonntagen ist sie allerdings voll, und dann wird aus dem Spaziergang eher ein Slalom. Ich gehe sie deshalb lieber an einem Werktag oder früh am Morgen.
Diese Runde startet auf der anderen Seite des Bahnhofs. Man geht am KKL vorbei, am Inseli, dann am Alpenquai entlang mit dem Ruderclub und der Ufschötti, bis nach Tribschen. Dort lohnt sich ein Abstecher in den Park um das Wagner-Haus. Wer noch Lust hat, folgt dem Ufer weiter Richtung Horw. Zurück geht es mit dem Bus oder, wenn die Beine wollen, auf dem gleichen Weg.
Im Sommer ist das die Strecke, auf der ich unterwegs baden gehe. An der Ufschötti gibt es einen langen Sandstrand, an dem man ohne Eintritt ins Wasser kann. Mehr Ideen für den Sommer am Wasser stehen auf der Seite zu zweit in Luzern.
Die alte Stadtbefestigung ist die kürzeste meiner Runden, aber die mit dem meisten Auf und Ab. Von etwa Anfang April bis Anfang November kann man tagsüber auf die Mauer und in einige der Türme. Oben sieht man die ganze Altstadt, die Reuss, den See und hinten den Pilatus. Im Zytturm hängt die älteste Turmuhr der Zentralschweiz, und sie schlägt jeweils eine Minute vor allen anderen Uhren der Stadt. Ich habe einmal extra gewartet, um das zu hören. Es war weniger spektakulär als erhofft, aber ich bereue es nicht.

Die Wiese unterhalb der Mauer ist im Frühling voller Leute, die einfach in der Sonne liegen. Ein guter Ort, um nach der Runde noch eine halbe Stunde nichts zu tun.
Die längste Runde und die, die mich zurück in meine Kindheit bringt. Man fährt mit der kleinen Gütschbahn hinauf oder geht zu Fuss, dann führt der Weg durch den Gütschwald hinauf zum Sonnenberg. Unterwegs öffnen sich immer wieder Blicke auf die Stadt, auf Kriens und auf den Pilatus, der von hier aus ganz nah wirkt. Vom Sonnenberg geht es hinunter nach Kriens.
Ich bin in Kriens aufgewachsen, und der Sonnenberg war unser Hausberg. Wir sind als Kinder dort Schlitten gefahren, wenn es Schnee hatte, was selten genug war. Heute gehe ich die Strecke meistens im Herbst, wenn der Wald nach Pilzen riecht und weniger Leute unterwegs sind. Gutes Schuhwerk ist hier sinnvoll, nach Regen ist der Waldweg rutschig.
Der Dietschiberg ist für mich die Runde für die schweren Tage. Man steigt vom Wesemlin aus hinauf, durch Wiesen und am Golfplatz vorbei, und oben öffnet sich der Blick in alle Richtungen: der See, die Stadt, die Rigi, an klaren Tagen bis zum Sempachersee. Es ist ein Ort, an dem man das Gefühl hat, alles sei etwas kleiner, als man dachte. Auch die Sorgen.
Es gab früher eine Standseilbahn auf den Dietschiberg, sie wurde aber 1978 eingestellt. Wer genau hinschaut, findet noch Spuren davon. Ich finde es irgendwie passend, dass man heute auf diesen Hügel laufen muss.
Für fast alle Runden braucht man kein Auto. Die Startpunkte sind mit den Bussen der Verkehrsbetriebe gut erreichbar, und die Fahrpläne findet man bei der SBB oder direkt beim lokalen Verkehrsbetrieb. Im Sommer nehme ich immer Wasser mit, auch für die kurzen Runden, weil es am Quai mittags heiss werden kann. Und im Winter ist der Gütsch oft im Nebel, während es oben auf dem Sonnenberg schon Sonne hat, das lohnt sich manchmal.
Wer wissen will, warum die Hotels am Quai so aussehen, wie sie aussehen, findet die Geschichte dazu auf der Seite zur Tourismusgeschichte von Luzern.