Notiert von Severin Imfeld
Im Spital habe ich oft Kolleginnen und Kollegen, die neu nach Luzern ziehen, aus dem Wallis, aus Deutschland, aus Portugal, einmal sogar aus Neuseeland. Die Fragen sind fast immer die gleichen: Wo soll ich wohnen, wie komme ich herum, und wie lerne ich hier Leute kennen, die nicht auch im Schichtdienst arbeiten? Ich habe meine Antworten so oft wiederholt, dass ich sie jetzt einfach aufschreibe.
Vorweg: Ich bin in Kriens aufgewachsen und kenne Luzern seit meiner Kindheit. Meine Sicht ist also die eines Einheimischen, der manchmal vergisst, wie fremd einem diese Stadt am Anfang vorkommen kann.
Luzern ist klein genug, dass man fast überall zu Fuss oder mit dem Velo ins Zentrum kommt. Trotzdem haben die Quartiere einen recht unterschiedlichen Charakter. Hier meine sehr persönliche Einschätzung:
Andere Quartiere wie Würzenbach, Hirschmatt, Obergrund oder Reussbühl lasse ich hier weg, nicht weil sie schlechter wären, sondern weil ich sie weniger gut kenne. Nehmen Sie sich Zeit, bevor Sie sich entscheiden. An einem Samstagnachmittag zu Fuss durch ein Quartier zu gehen, sagt mehr als jedes Inserat.
Die Wohnungssuche in Luzern ist anstrengend, da will ich nichts beschönigen. Gute Wohnungen in zentraler Lage sind gefragt, und die Mieten sind hoch, auch wenn sie nicht ganz mit Zürich mithalten. Bei Besichtigungen steht man oft mit vielen anderen im Treppenhaus. Was hilft: ein vollständiges Dossier mit Betreibungsauszug bereithalten, flexibel beim Quartier sein, und Bekannten sagen, dass man sucht. Viele Wohnungen werden unter der Hand weitergegeben, bevor sie überhaupt online erscheinen. Ich habe meine eigene Wohnung so gefunden, weil der Vormieter ein ehemaliger Patient war, der sich an mich erinnerte. Das ist kein Tipp eher ein Glücksfall.
Luzern ist eine Velo- und Busstadt. Die Verkehrsbetriebe Luzern betreiben die meisten Buslinien in der Stadt und in der Agglomeration, und die Busse fahren tagsüber dicht. Die Tarife gehören zum Tarifverbund Passepartout, mit dem man in der ganzen Region auf Bus, Bahn und teilweise auch Schiff reisen kann. Für Pendler lohnt sich ein Abo, für Gelegenheitsfahrer reichen Einzelbillette oder Tageskarten.
Mit dem Velo ist man in der Stadt meistens schneller, solange man nicht in die Hügel muss. Ein Auto braucht man hier nicht, ich habe nie eins besessen. Parkplätze sind knapp und teuer, und in der Altstadt fährt man ohnehin nicht.
Nach dem Umzug muss man sich innert kurzer Frist bei der Einwohnerkontrolle anmelden. Die nötigen Informationen und Formulare findet man auf der Website der Stadt Luzern. Dort gibt es auch Hinweise zu Abfall, Kinderbetreuung und den Quartiervereinen, was für Neue erstaunlich nützlich ist. Ein Detail, das viele überrascht: Für den Kehricht braucht man spezielle Gebührensäcke oder Marken. Wer das ignoriert, lernt die Nachbarn schneller kennen, als ihm lieb ist.
Das ist die schwierigste Frage, und ich habe darauf keine Zauberantwort. Die Zentralschweiz ist nicht unfreundlich, aber zurückhaltend. Man wird gegrüsst, man wird nicht gleich eingeladen. Was nach meiner Erfahrung am besten funktioniert, ist Regelmässigkeit: ein Verein, ein Kurs, ein fester Platz im Seebad, eine Laufgruppe. Die Quartiervereine organisieren Feste und Anlässe, bei denen man ohne grosse Hürde dazukommen kann.
Ausführlicher habe ich darüber auf der Seite über das Alleinsein in Luzern geschrieben. Und wer im Februar zum ersten Mal hier ist, sollte die Fasnacht nicht verpassen. Es gibt keinen besseren Crashkurs in Luzerner Kultur.
Geben Sie der Stadt ein Jahr. Das erste halbe Jahr ist man fast immer etwas einsam, das ist normal und kein Zeichen, dass man am falschen Ort ist. Gehen Sie viel zu Fuss, schauen Sie sich die Quartiere an, setzen Sie sich an den See. Ein paar Lieblingsrunden finden Sie bei meinen Spaziergängen am See. Irgendwann kennt Sie die Verkäuferin in der Bäckerei, und dann sind Sie angekommen.